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Alleinerziehende wagt Neuanfang als Existenzgründerin

Viele von Petra Fuchs Kunden kennen England aus den Ferien und verliebten sich dort in die englischen Leckereien. Andere haben ein englisches Elternteil und erinnern sich an die Tees, Saucen, Chips und andere Köstlichkeiten aus Kindheitstagen. Und manche Naschkatzen kommen einfach nur, um jede Woche eine neue unbekannte Süßigkeit auszuprobieren. Der Little-England-Shop in der Detmolder Innenstadt hat schon bald nach seiner Eröffnung eine Menge Liebhaber englischer Produkte und Neugierige angelockt. Für Inhaberin Petra Fuchs (37) ist dies nicht nur eine erfolgreich Neueröffnung, sondern auch ein Neuanfang in ein neues Leben.

Der eigene Laden bedeutet für die Familie: Raus aus Hartz IV – nach sieben Jahren Arbeitslosigkeit. Die Lippe pro Arbeit unterstützt sie dabei. „Als ich heiratete, war ich mit der klassischen Rollenverteilung zufrieden“, erzählt die 37-Jährige. Er ging arbeiten, sie bekam zwei Kinder und blieb zu Hause. „Hartz IV – daran habe ich nicht gedacht“, sagt Fuchs. Doch dann kam die Trennung von ihrem Mann und trotz zwei abgeschlossener Ausbildungen als Bäckerin und Verkäuferin fand die Detmolderin keine Arbeit. Meistens scheiterten Bewerbungen an der mangelnden Flexibilität der nun Alleinerziehenden. „Lange Anfahrtsstrecken oder wechselnde Arbeitszeiten außerhalb der Öffnungszeiten von Schulen und Kindergärten waren für mich einfach nicht machbar“, erzählt sie.


Träume müssen finanziert werden


Auf die Idee eines englischen Ladens brachte sie ihr Lebensgefährte, der halber Engländer ist. „Immer wenn er nach England fuhr, bekam er von Familie und Freunden eine riesige Einkaufsliste mit“, erzählt die 37-Jährige. Doch eine gute Idee alleine reicht nicht. Die Arbeitslose musste ihren Traum von der Selbstständigkeit auch finanzieren. Ihre Eltern halfen mit Geld aus und die Lippe pro Arbeit fördert ihre Selbstständigkeit in den nächsten Monaten mit einem so genannten Einstiegsgeld. Außerdem finanzierte ihr die Lippe pro Arbeit ein Seminar für Existenzgründer.


„Das Seminar war unglaublich hilfreich. Da habe ich vieles gelernt, von dem ich vorher keine Ahnung hatte“, so Fuchs. Angefangen vom vorgeschriebenen rutschfesten Bodenbelag bis zu Verpackungssteuer auf Plastiktüten. Das wichtigste aber war, dass die dortigen Experten sie über Finanzierungsmöglichkeiten informierten und ihr halfen einen Businessplan aufzustellen, der die Banken überzeugte. Die Zusage der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) über ein Darlehn war der endgültige Startschuss für das Unternehmen Selbstständigkeit.


Ihre beiden Töchter kann Petra Fuchs jetzt morgens für die Schule fertig machen, ihnen Frühstück und ein Pausenbrot mitgeben und trotzdem pünktlich im Laden stehen. Nachmittags kommen die Mädchen oft vorbei und machen im Büro ihre Hausaufgaben. „Ich arbeite jetzt viel mehr Stunden als in einen normalen Job, aber ich habe die Flexibilität, um auch meinen Kindern gerecht zu werden“, so Fuchs. Sie staunt noch immer, wie schnell alles von der Idee bis zur Umsetzung ging. Nun steht sie jeden morgen hinter der Theke ihres eigenen Ladens und blickt optimistisch in die Zukunft.

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